In diesem Buch, lieber Leser, wirst du nur vier Kunstmärchen finden. In den Geschichten „Ein armer Jüngling und die schöne Besitzerin des Heiligen Sees“, „Das rosa Häuschen mit der Geranie“ , „Träume von Kanyke“ von Julia Eff, Turusbek Madylbaj, Sofia Nurmatova aus Kirgistan erwarten dich Peri, der kleine Prinz,  Held Manas und sehr viele abenteuerliche Wendungen. In dem Werk von Frieda Bayer aus Deutschland  wirst du erleben, wie die Schulsachen miteinander sprechen , um herauszufinden, wer von ihnen am Wichtigsten ist. Eine Meise hört zu und denkt darüber nach.

Julia Eff

Ein armer Jüngling und die schöne
Besitzerin des Heiligen Sees

Es war die Zeit, als die alten Götter noch mit den Menschen sprachen und sich nicht vor ihnen versteckten. Es lebte im Vorgebirge ein armer junger Mann. Seine Eltern waren früh ins Jenseits gewechselt und die älteren Brüder hatten ihr Erbe unter sich aufgeteilt. Der jüngste Bruder hatte nur ein Pferd bekommen, mit dem er unzertrennlich war.
Der Jüngling bedachte, dass die Gier der Brüder auch etwas Gutes für ihn gehabt hatte: Er konnte jetzt wandern, so lange er wollte. Als erstes wollte er mit seinen eigenen Augen den Heiligen See Osych-Koel entdecken und die in ihm lebende Peri, über welche ihm der Vater erzählt hatte.
Die Täler um den See ähnelten zwei ungleichen Schalen, so als ob in einer größeren Schale eine kleinere enthalten wäre, in der noch etwas Milch stand. So kam ihm der See vor. Im unteren Tal neben dem See befanden sich einige reich geschmückte Zelte und im dem höheren fanden sich ärmere Behausungen mit vielen Menschen, die ihrer Beschäftigung nachgingen. Dort herrschte rege Betriebsamkeit. Das erinnerte an einen Marktplatz in einer großen Stadt.
Es stellte sich heraus, dass all diese Menschen zum Heiligen See gekommen waren, um die Peri um ein Wunder zu bitten. Jemand erstrebte ein Erbe, ein anderer bat um Gesundheit und wieder ein anderer träumte von Macht und Geld.
Der junge Mann hörte sich die ganze Nacht die Gespräche der Wartenden und den Streit derer, die sich einen besseren Platz in der Nähe des Felsens zu kaufen versuchten, von dem aus der Sonnenaufgang und die Tiefen des Sees besonders gut zu betrachten waren. Als der Himmel am Horizont sich immer stärker aufhellte, stieg der Jüngling auf eine Klippe, um von dort die Peri zu beobachten.
Sie tauchte aus der Tiefe des einen Spiegels ähnlichen Sees auf. Sie schien beinahe nicht über den See zu schreiten, sondern sich aus glitzernden Wassertropfen in eine schlanke, wunderschöne Frau zu verwandeln. Ihre Haare flossen wie Bächlein bis zu ihren Fersen hinunter und bedeckten ihre Brüste und Hüften. Ihre Augen, im Wasser noch farblos wirkend, bekamen einen wunderschönen grauen Glanz, so wie es unter den Sonnenstrahlen mit den Regentropfen auf dem Geschirr eines träumenden Pferdes passiert.
Sobald sich die schöne Frau auf einen Stein setzte, wurde sie zu einer jungen Dame in einem weiß glitzernden Kleid, und nichts erinnerte mehr an die Wasserstrahlen, aus denen sie hervorgegangen war.

Es ist kleines Buch mit sehr interessanten Märchen, dessen Autoren Ukrainer sind und in Ukraine leben. Und es ist schön zu zeigen, dass alle Märchenerzähler egal aus welchem Land sie stammen, wunderbar neue Geschichten schreiben können, die auch die Kinder von anderen Nationen begeistern werden. Es fliegen in der Luft „Schneeflocken des Glücks“, die Riesen haben eine Botschaft:„ein Mensch zu sein – das ist deine Mission – dann wirst du für ewig ein Riese sein…“ Und so können die kleine Leser Neues für sich Entdecken und einiges lernen.

Galina Rybatschuk-Pratsch

Der kleine Reisende

Es war ein sonniger Sommermorgen. Im Häuschen, das am Rande des Waldes stand, waren schon alle aufgestanden. Der kleine Nazar, so hieß der Junge, hatte kaum seine Äuglein aufgeschlagen, schon lief er auf seine Großmutter zu und fragte leise:
"Oma, und wohin fliegen wir heute?"
"Wohin möchtest du denn?", fragte die Oma und strich dem Kleinen übersKöpfchen.
Die Härchen des Kleinen waren so weich und wohlriechend wie die Ähren von reifem Weizen.
"Ich möchte über den Wald dorthin fliegen, wo das Meer anfängt."
"Na gut", sagte die Großmutter und nahm den Kleinen auf den Arm. "Zuerst essen wir etwas zum Frühstück, dann steigen wir in unseren Helikopter ein und machen uns auf den Weg."
Der Kleine küsste erfreut die Großmutter,wusch sich schnell und machte sich zum Frühstück fertig.Ihn erwartete eine interessante Reise ans Meer. Die Oma würde ihn im Helikopter mitnehmen. Nach dem Frühstück begann Nazar schnell mit seinen Reisevorbereitungen.
In einen kleinen Rucksack packte er seine Lieblingssachen ein: eine kleine Kamera, die seine Mutti ihm vor kurzem geschenkt hatte, und ein neues Handy – ein Geschenk von dem Vati. Er nahm auch eine Sonnenbrille mit. Das war alles, und für das Essen sorgte die Oma.
Er lief auf die Waldwiese hinaus, wo ihn die Großmutter mit einem Korb, voller Essen in der Hand, und der Helikopter schon erwarteten.
"Nazarchen, bist du zur Reise bereit?", fragte sie.
"Bereit!", rief der Kleine freudig und setzte sich schnell neben die Großmutter.
"Nun, dann fliegen wir!", sagte sie.

Ihr Kinder habt wahrscheinlich schon vor langer Zeit gelesen oder gehört von den unglaublichen Geschichten des Barons Münchhausen, erzählt von dem Schriftsteller Rudolf Erich Raspe, und ihr denkt bestimmt, dass sie euch allen gut bekannt sind.“ Ob das wirklich so ist? In diesem Buch „Die Abenteuer des Barons Münchhausen auf dem Kältepol“ werdet ihr feststellen, dass diese berühmten Geschichten eine Fortsetzung haben, die genau so interessant und voll von verschiedenen Abenteuern sind, wie im Buch von R. E. Raspe. Also es lohnt sich die Fortsetzung zu lesen. Das Buch enthält viel Humor und wird bestimmt auch Erwachsene begeistern.

 

Die erste Geschichte.
Wie ich nach Jakutien kam

Diese Reise habe ich einem reinen Zufall zu verdanken. Allgemein bekannt ist, dass ich zweimal auf dem Mond gewesen bin – zuerst krabbelte ich dorthin am Stamm einer riesigen Bohne, und dann wurde ich durch einen Sturm zusammen mit einem Segelschiff dorthin gebracht. Aber jetzt muss ich zugeben, dass es noch eine Reise auf den Mond gab. Diese ereignete sich vor den beiden erwähnten.
Um das Ziel zu erreichen, habe ich die von mir gut beherrschte Art und Weise benutzt, die später mehrmals auch von anderen angewandt wurde– ich bat meine Freunde: schießt mich hinauf mit einer großen Kanone. Dies habt ihr vielleicht auch schon gehört. Aber wie bin ich damals vom Mond zurückgekehrt? Wisst ihr es nicht? Das ist es ja!
Dieses Geheimnis habe ich allein meinem Tagebuch anvertraut. Warum? Das könnt ihr am Ende des Tagebuches nachlesen.
Wahr ist, dass ich während meiner ersten und meiner letzten Reise sehr verschiedene Mond-Bewohner angetroffen habe, wahrscheinlich deswegen, weil ich in verschiedene Mond-Länder geraten bin…

Also meine Ankunft auf dem Mond war mit einer allgemeinen Freude verbunden. Mein Wams und mein dreieckiger Hut - beide waren durch die Reibung heiß geworden und beinahe durch ein paar Meteoriten verbrannt worden, waren noch nicht kalt geworden, als eine ganze Schar von Mond-Bewohnern, kleine grüne Zwerge uns begegneten. Sie warfen mich mit Begeisterung in die Luft, und trugen sie mich dann auf ihren Händen in den Königspalast. Meinen Mut bewundernd, reichte mir der Oberste Herrscher den elfzackigen Stern des Mond-Helden des zehnten Grades und sicherte mir zu, dass am nächsten Tag auf mich noch höhere Auszeichnungen warteten. Es begannen auf dem ganzen Mond große Feiertage. Als ein Mensch ausgeprägter Bescheidenheit, konnte ich das Lob und die überschwängliche Ehrung kaum ertragen. Außerdem war nach einer Woche auf meinem Wams praktisch kein Platz mehr frei für die zahlreichen Orden und Sterne, auch nicht auf meinem Rücken. Als ich mich entschloss, zur Erde zurückzukehren, haben die Bewohner des Mondes mit allen Mitteln versucht, mich zum Bleiben zu überreden, vor allem ihre vornehme Hälfte. Aber ich war unerbittlich. Wegen ihres Kummers verordneten sie eine zweiwöchige Mond - Trauer. Musik und Lachen hatten zu verstummen, und in den Blumenläden verkaufte man nur schwarze Rosen.

 

 

Lieber Freund,
Du hast großes Glück, da Du das erste Fantasiegeschichtenbuch über Gaya, die Fee des Flusses (Angelika) und ihre Freunde in den Händen hältst. Jetzt wirst Du das Vorwort zu Ende lesen und dann, ohne dass Du es erwartet hast, in eine märchenhafte Welt eintauchen. Was wird Dich dort wohl erwarten? Gefährliche Abenteuer sowie Treue und die Hilfe guter Freunde, Gemeinheiten und Intrigen finsterer Schurken, zahlreiche überraschende Wendungen und ganz viel Humor. Außerdem musst Du auf deinem Weg jede Menge Geheimnisse aufklären. Das Wichtigste ist, dass es Dir bestimmt nicht langweilig wird.

Die tapferen Abenteurer

Nach und nach wurde der Tannenwald ausgedehnter, und das Wasser trieb das Floß auf eine Wiese, auf der etwas sehr Seltsames vor sich ging. Die Frösche sperrten vor Verwunderung ihre Mäuler auf, denn sie bemerkten, wie sich eine Person in einem feuerroten Mantel und mit einem spitzen schwarzen Hut um die verschimmelten Reste eines alten Baumes im Kreise drehte. Plötzlich streckten und bewegten sich die halbverdorrten Baumstümpfe, und auf einmal wuchs ein drei Meter großer Riese mit trüben Augen aus der Erde.
"Oh weh!", schrien die Frösche erschrocken.
Die Frau im Mantel schaute sich nach denen um, die da gerade geschrien hatten, doch der Bach trieb das Floß ans andere Ende der Wiese, wo der Laubwald begann.
"Wer war das denn?", rief Hugo.
"Was war das?" Auch Karl schrie verwundert und erschrocken auf.
"Wollen wir nicht lieber umkehren?", schlug Hugo vor. "Mama macht sich bestimmt Sorgen."